Alles über Molosser und die Kampfhundelüge

Roswita Hirsch-Reiter

Verlag Miramonte 2000,
ISBN 3-901 558-05-5,
EUR 34,00

264 Seiten,
130 Farbfotos,
25 Schwarzweiß-Abbildungen

In der augenblicklichen Situation ein Buch über Molosser auf den Markt zu bringen, ist schon mutig genug. Dieses Buch aber auch noch mit der Schlagzeile „Kampfhundelüge“ zu unterlegen, ist entweder provokatorisch unklug oder provokant ehrlich. Im vorliegenden Buch von Roswita Hirsch-Reiter trifft eindeutig letzteres zu!

Auf 264 Seiten mit 130 großformatigen Farbfotos und 25 Schwarzweiß-Abbildungen gibt die Autorin dem Hundefreund ein Buch in die Hand, welches nicht nur Molosserfans begeisternd dürfte. Ohne übertriebene Schnörkel und Lobhudeleien, sowie ohne Verharmlosung und Verheimlichung bestimmter Eigenarten, stellt sie in klaren, über weite Teile regelrecht fesselnden Porträts die verschiedenen molosserartigen Hunderassen vor. Gerade durch diese ehrliche Berichterstattung wird dem Leser deutlich, daß es sich bei Mastiffs, Mastini, Doggen und Co. eben nicht um „potenziell gefährliche Bestien“ handelt, wie uns die Politik jetzt vielerorts weißzumachen versucht, sondern um absolut normale Hundetypen mit artspezieller Persönlichkeit, die es zu kennen, zu berücksichtigen, zu führen und zu lenken gilt. Und darin unterscheiden sich diese Hunde in nichts von anderen, denn nur der passende Hund in für ihn geeigneter, zuverlässiger wie verantwortungsvoller Hand, wird die grundsätzliche Basis bedingen für ein harmonisches Miteinander von Mensch und Hund, Hund und Umwelt!

Die ersten knapp fünfzig Seiten setzen sich daher auch in klaren Worten mit den unsinnigen Inhalten der jüngst erlassenen, diversen Hundeverordnungen auseinander. Wie jeder kompetente Kynologe, so kommt auch die Autorin zu keinem anderen Fazit, daß nämlich „ein Verbot bestimmter Rassen, Bewilligungspflicht, Negativzeugnis sowie Zucht- und Haltungsbeschränkungen erwartungsgemäß keine ausreichende Problemlösungskapazität besitzen“. Auch an die betroffenen Vereine appeliert die Autorin, sich „gründlich, sachlich kritisch und aufgeschlossen“ dieser Stimmung zu stellen und sich mit ihr auseinanderzusetzen. Eine Forderung, die sicherlich nicht nur mit Freudengeheul aufgenommen wird, aber nicht unberechtigt ist!

Die nächsten fünfzig Seiten geben einen umfassenden Einblick in die Geschichte, die charakterlichen Eigenarten und Besonderheiten, die speziellen Anforderungen an Pflege, Erziehung, Gesundheitsvorsorge und Haltungsbedingungen. Auch dem Thema Zucht und richtiger Welpenauswahl wird ausreichend Raum gewidmet.

Spätestens nach Studium dieser ersten hundert Seiten hat der Leser festgestellt, daß dies Buch über Molosser nicht nur ein Buch für Molosserfans ist, sondern auch eine reiche Informationsquelle für viele andere Hundefreunde darstellt. Viele Rassen sind vom Ursprung her eng mit den Molosserrassen verwandt, so verwundert es nicht, daß nicht wenige beschriebene Besonderheiten in Bezug auf Verhalten, Vorlieben und Abneigungen leicht übertragbar sind.

Die zweite Hälfte des Buches ist dann den aussagekräftigen Porträts der Rassen Mastiff, Bullmastiff, Bordeauxdogge, Mastino Napoletano, Cane Corso und Fila Brasileiro gewidmet. Angaben zu Herkunft und Abstammung, Charakter, Zucht, betreuenden Vereinen und sonstigem geben einen umfassenden Ein- und Überblick über arttypisches und rassespezielles Naturell. Auch durch die jeweiligen Standards beschriebene Fehler und Mängel werden nicht verschwiegen.

Die durch Politik und Medien geborenen Mythen um Tosa Inu, Pit Bull und Bandog sind gleich zu Beginn des Buches Gegenstand der Betrachtung. Konkrete Hintergrundinformationen zu ritueller Bedeutung und praktischem Verlauf, aber auch Pervertierung von Hundekämpfen, werden ebenso unverblümt ausgesprochen, wie deutliche Worte zu existierenden persönlichkeitsgestörten Haltern und mit Blindheit geschlagenen Vereinsfunktionären. Deutliches Zeichen für eine ehrliche und nicht kritiklose Auseinandersetzung mit der zur Zeit höchst brisanten Gesamtproplematik dieser Hunderassen.

Unter der Überschrift „Andere starke Hunde“ wird zusätzlich, leider etwas kurz, auf weniger bekannte Rassen eingegangen. Hier finden sich Alano, Dogo Canario und Dogo Mallorquin benannt und kurz beschrieben.

Vor allem in Kombination mit dem von der Autorin geschriebenen und 1995 herausgegebenen Buch „Molosser Welt“, welches in einigen Teilen ausführlicher war als das vorliegende Buch, bietet „Alles über den Molosser und die Kampfhundelüge“ einen unübertroffenen Informationsschatz, der durch die vielen großformatigen Farbabbildungen auch einen optischen Genuß darstellt.

Der Autorin kann zu dieser Neuerscheinung nur gratuliert und für diese gedankt werden. Dem Freund von großen, imposanten, ursprünglichen Hunderassen, wie dem an kompetenter Fachinformation Interessiertem, sei dies Buch als wertvolle und sinnvolle Ergänzung seiner kynologischen Hausbibliothek und als Lese- und Augenschmaus unbedingt zu empfehlen.

Petra Krivy